Wanderreiten: Im Sattel durch Wald, Heide und Berge

Wanderreiten: Im Sattel durch Wald, Heide und Berge

Wanderreiten heißt, mehrere Tage vom Pferderücken aus von Station zu Station zu reisen, meist 25 bis 40 Kilometer pro Tag. Statt Turnierplatz oder Reithalle wird das offene Terrain zur Bühne. Waldwege, Heideflächen, Höhenzüge, dazwischen ein warmer Stall und eine Mahlzeit am Kamin. Der einfachste Einstieg gelingt mit einem geführten Wanderritt in einem DWA-zertifizierten Betrieb, bei dem du ein passendes Leihpferd bekommst und ein erfahrener Rittführer Route, Pausen und Übernachtungen organisiert. Was dich erwartet? Belastbare Zahlen zu Kondition und Gewicht, ein realistischer Trainingsplan, die richtige Ausstattung und die föderale Rechtslage.

Die Kernpunkte

  • Wanderreiten bedeutet mehrtägige Reittouren von Station zu Station, realistisch 25 bis 40 Kilometer pro Tag.

  • Reiter plus Gepäck sollten maximal 20 Prozent des Pferdegewichts wiegen, empfohlen sind 15 Prozent.

  • Für ein untrainiertes Pferd braucht es 8 bis 12 Wochen gezielten Konditionsaufbau vor dem ersten Wanderritt.

  • Reitrecht ist Ländersache. In Brandenburg gilt vergleichsweise freies Reiten im Wald, in Baden-Württemberg nur auf gekennzeichneten Wegen.

Was Wanderreiten wirklich bedeutet und wie der Einstieg gelingt

Wanderreiten ist mehrtägiges Reisen zu Pferd von Reitstation zu Reitstation, mit Tagesetappen zwischen 25 und 40 Kilometern. Damit unterscheidet es sich klar vom Tagesritt, der abends im Heimatstall endet, und vom Turniersport, in dem Leistung auf begrenzter Fläche zählt. Beim Wanderritt geht es um Distanz, Landschaft und Dauerbelastung, für Vierbeiner und Reiter gleichermaßen. Einsteiger buchen am besten einen geführten Ritt in einem Betrieb der Deutschen Wanderreiter-Akademie (DWA). Ergänzend geben die VFD und die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) Ausbildungsstrukturen, Abzeichen und Sicherheitsrichtlinien vor.

Sternritt, Rundritt, Weitritt: Die Formen des Wanderreitens

Drei Formate haben sich etabliert. Sie unterscheiden sich weniger in der Distanz als in der Organisation der Übernachtung und im Streckenverlauf.

Sternritt: Tagesritte von einem festen Standort

Beim Sternritt bleibst du an einer Basisstation und reitest täglich neue Routen sternförmig ins Umland. Vierbeiner und Reiter stehen abends im gewohnten Stall, das Gepäck bleibt im Zimmer. Solche Tagesritte liegen meist bei 20 bis 30 Kilometern und eignen sich gut für den Einstieg.

Rundritt: Von Station zu Station im Kreis

Klassische Rundritte führen in vier bis acht Tagen im Kreis zurück zum Ausgangspunkt, mit wechselnden Übernachtungsstationen. Das Gepäck reist entweder in Satteltaschen mit oder folgt per Trossbegleitung, also einem Begleitfahrzeug oder Packpferd. Realistisch sind 25 bis 40 Kilometer pro Tag, abhängig von Höhenmetern und Bodenverhältnissen.

Weitritt: Langstrecke über hunderte Kilometer

Der Weitritt ist die sportliche Königsdisziplin. Alpenüberquerungen, transkontinentale Routen, Distanzen über mehrere Wochen. Die VFD vergibt Leistungsabzeichen für definierte Streckenleistungen: Bronze für 50 Kilometer in zwei Tagen, Silber für 100 Kilometer in drei Tagen, Gold für 200 Kilometer in sechs Tagen. Anders als bei Rundritten gibt es hier ein festes Ziel und deutlich höhere Anforderungen an Planung, Kondition und Selbstständigkeit im Gelände.


Belastungsgrenzen: Was Pferd und Reiter körperlich leisten müssen

Ein gesundes Pferd hat einen Ruhepuls von etwa 28 bis 44 Schlägen pro Minute. Im Schritt steigt er auf 60 bis 80, im leichten Trab auf 100 bis 120. Entscheidend ist die Erholung. 15 bis 20 Minuten nach dem Absteigen sollte der Puls wieder unter 64 Schläge gesunken sein. Die Faustregel beim Gewicht ist streng. Reiter plus Gepäck sollten 20 Prozent des Pferdegewichts nicht überschreiten, empfohlen werden 15 Prozent. Ein 550-Kilo-Wallach trägt komfortabel also rund 82 Kilo inklusive Sattel und Packtaschen. Auf einer Mehrtagestour benötigt das Tier 40 bis 60 Liter Wasser pro Tag, und der Energiebedarf steigt gegenüber dem Stallbetrieb um 50 bis 100 Prozent.

Wanderreiten vorbereiten: Trainingsaufbau über 8 bis 12 Wochen

Ein untrainiertes Freizeitpferd auf einen Wanderritt zu schicken, ist Tierquälerei. Rechne mit acht bis zwölf Wochen strukturiertem Aufbau. In den Wochen 1 bis 3 baust du die Grundlage auf, drei- bis viermal pro Woche 45 bis 60 Minuten überwiegend Schritt, dazwischen kurze Trabreprisen von zwei bis drei Minuten. In den Wochen 4 bis 7 folgt die Aufbauphase mit Ausritten von zwei bis drei Stunden, gezielt integrierten Steigungen und längeren Trabstrecken. Höhenmeter sind der wichtigste Reiz für die Kondition.

Ab Woche 8 kommt die spezifische Belastung. Ritte mit voll gepackten Satteltaschen, Doppeletappen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, unterschiedliche Böden. Du selbst brauchst parallel Rumpfkraft und Ausdauer, denn vier bis sechs Stunden auf dem Pferderücken fordern Rücken und Adduktoren erheblich. Zwei bis drei Einheiten Krafttraining pro Woche und regelmäßiges Ausdauertraining reichen aus.

Die richtige Ausrüstung und clevere Packstrategie

Der Sattel ist die wichtigste Entscheidung. Ein klassischer Wanderreitsattel mit breiter Auflagefläche verteilt Druck gleichmäßig, Westernsättel eignen sich durch ihre robuste Konstruktion ebenfalls hervorragend. Baumlose Modelle sind leicht, aber nur bei sehr rückengesunden Pferden empfehlenswert. Satteltaschen sollten symmetrisch gepackt sein und pro Seite nicht mehr als 4 bis 5 Kilogramm wiegen. Beim Hufschutz konkurrieren klassischer Beschlag und moderne Hufschuhe wie Easyboot oder Scoot Boot. Beschlag ist auf langen Etappen kalkulierbarer, Hufschuhe schonen den Barhuf, aber du musst sie vorher wochenlang testen.

  • Erste-Hilfe-Set für Mensch und Tier inklusive Verbandmaterial, Wundspray und Elektrolytpaste

  • Reflektierende Warnweste, Stirnlampe, Handy mit Powerbank

  • Regenkleidung, Wechselwäsche, Ersatzsocken

  • Hufkratzer, Ersatz-Hufschuh oder Notbeschlag-Set

  • Trense mit Reservezügel, Halfter und Führstrick

  • Karte, Kompass oder GPS-Gerät, nicht ausschließlich auf das Handy verlassen



Übernachten unterwegs: Station, Paddock oder Begleitfahrzeug

Die klassische Wanderreitstation bietet Paddock oder Box, Heu, Wasser und eine Gastwirtschaft für den Reiter. Preise liegen meist zwischen 25 und 45 Euro pro Nacht und Tier. Wer mit eigenem Pferd und Anhänger reist, kombiniert den Ritt häufig mit einer Trossbegleitung als mobile Basis. Dachzelte und freitragende 270°-Markisen von ANEES lassen sich auf dem Zugfahrzeug montieren und schaffen auch abseits fester Stationen einen wetterfesten Schlaf- und Kochplatz. Gleichzeitig spendet die großflächige Markise wichtigen Schatten für den mobilen Paddock und bietet den Pferden bei Pausen oder am Übernachtungsplatz Schutz vor intensiver Sonne. Nach Angaben des Herstellers ist ANEES zudem die einzige Dachzeltmarke, deren Produkte von erfahrenen Wanderreitern unter realen Bedingungen getestet wurden. Damit richtet sich das Sortiment gezielt an Reisende, die Dachzeltcamping und Urlaub mit Pferd miteinander verbinden.

Reitrecht in Deutschland: Was in welchem Bundesland erlaubt ist

Reiten im Wald und in der freien Landschaft ist Ländersache, geregelt in den jeweiligen Landeswald- und Landesnaturschutzgesetzen. Was in Brandenburg selbstverständlich ist, kann in Baden-Württemberg ein Bußgeld kosten. Die Bandbreite reicht vom vergleichsweise freien Reiten auf geeigneten Waldwegen bis zur strikten Bindung an ausgewiesene Reitwege.

Bundesland

Grundregel

Rechtsgrundlage

Brandenburg

Reiten auf Waldwegen vergleichsweise liberal geregelt

Landeswaldgesetz Brandenburg

Mecklenburg-Vorpommern

Reiten nur auf besonders gekennzeichneten Reit- und Fahrwegen

Landeswaldgesetz M-V

Bayern

Reiten auf geeigneten Wegen erlaubt

BayNatSchG Art. 28

Niedersachsen

Reiten auf Fahrwegen, ausgenommen ausgewiesene Wanderwege

NWaldLG

Nordrhein-Westfalen

Reiten nur auf gekennzeichneten Reitwegen

Landesforstgesetz NRW

Baden-Württemberg

Reiten nur auf ausgewiesenen Reitwegen

LWaldG §37

In einigen Ländern wie NRW und Sachsen brauchst du zusätzlich ein Reitkennzeichen am Sattel, das über eine jährliche Reitabgabe finanziert wird. Sie kostet je nach Land zwischen 25 und 35 Euro und dient der Instandhaltung der Reitwege. Wenn du von Spot zu Spot reitest, kann es sich lohnen, Landwirte oder Grundbesitzer schon in der Vorabplanung anzuschreiben und um Erlaubnis zu bitten, eine freie Koppel für die Pferde zu nutzen. So bleibst du im legalen Bereich und triffst oft auf überraschend hilfsbereite Angebote. Wer mit einem mit ANEES ausgestatteten Trossfahrzeug unterwegs ist, muss sich dann nur noch um einen Übernachtungsplatz für die Pferde kümmern, weil der eigene Schlafplatz bereits auf dem Fahrzeug mitreist.

Infografik: Reitrecht in Deutschland: Was in welchem Bundesland erlaubt ist Bundesland: Brandenburg | Grundregel: Reiten auf Waldweg...
Infografik

Versicherung, Impfschutz und Papiere

Eine Tierhalterhaftpflicht ist für Pferdehalter in einigen Bundesländern gesetzlich vorgeschrieben, in den übrigen faktisch unverzichtbar. Bereits nach § 833 BGB haftet der Tierhalter verschuldensunabhängig. Eine Reiterunfallversicherung deckt Sturzfolgen ab, die die gesetzliche Krankenkasse nur teilweise trägt. Beim Impfschutz sind Tetanus und Influenza Grundimmunisierung, Herpes wird für Tiere mit Kontakt zu wechselnden Beständen dringend empfohlen. Der Equidenpass muss aktuell geführt sein und beim Ritt mitgeführt werden.

Sicherheit im Gelände: Verkehr, Konflikte und Notfälle

Auf öffentlichen Straßen gelten für Reiter die Regeln des § 28 StVO, mit Warnweste, ab Dämmerung mit weißer Front- und roter Heckbeleuchtung. Reite Straßenabschnitte grundsätzlich im Schritt und in Einerkolonne. Begegnungen mit Wanderern, Radfahrern und Landwirten laufen fast immer gut aus, wenn du frühzeitig langsamer wirst, laut grüßt und Blickkontakt suchst. Zur Notfallausrüstung gehören die Nummer der nächsten Pferdeklinik, ein GPS-Tracker für Regionen ohne Handyempfang, ein aufgeladenes Handy mit Powerbank und ein kompaktes Notfallset für Kolik- und Wundversorgung.

Die schönsten Wanderreitregionen in Deutschland

Die Lüneburger Heide ist der Klassiker. Weite Sandwege, moderate Steigungen, dichtes Netz an Wanderreitstationen. Etappen von 30 bis 35 Kilometern lassen sich hier gut reiten. Die Mecklenburgische Seenplatte kombiniert alte Gutshäuser als Stationen mit Wald- und Seeuferwegen. Im Schwarzwald wird es sportlich. Höhenwege mit deutlich mehr Steigungen, Tagesetappen sinken auf 20 bis 28 Kilometer, dafür belohnen Fernblicke bis in die Schweiz. Die Schwäbische Alb ähnelt in der Struktur, ist aber weniger überlaufen. Der Bayerische Wald bietet einsame Grenzkämme. International lohnen sich Island für Gangpferdeliebhaber, Andalusien für Winterurlaub und Ungarn für flache Weitritte in der Puszta.

Seriöse Anbieter erkennen: DWA-Qualitätskriterien

Die Deutsche Wanderreiter-Akademie zertifiziert Betriebe, die Mindeststandards in Pferdehaltung, Rittführung und Gästebetreuung einhalten. Das Zertifikat basiert auf Vor-Ort-Prüfungen, die regelmäßig wiederholt werden. Ein zertifizierter Wanderreitbetrieb ist keine Garantie für den perfekten Ritt, aber ein verlässlicher Filter gegen unseriöse Anbieter, überforderte Leihpferde und intransparente Preise.

  • Gültige DWA-Zertifizierung oder vergleichbare VFD-Anerkennung, öffentlich einsehbar

  • Artgerechte Haltung mit Weidegang, Herdenhaltung und tierärztlicher Betreuung

  • Rittführer mit VFD-Wanderreitführerlizenz oder FN-Trainerqualifikation

  • Transparente Kostenstruktur mit Angabe, was Nachtquartier, Verpflegung und Pferdehaltung einzeln kosten

Mit Herz für Pferde: Unser Engagement beim One Million Möhri Ride

Der One Million Möhri Ride verbindet die Leidenschaft für Pferde mit einem guten Zweck. Im September sammeln Reiterinnen und Reiter bei Ausritten, Führ- oder Kutschfahrten Kilometer, für die Unterstützer einen frei gewählten Betrag spenden. Die Erlöse kommen Pferden in Not sowie gemeinnützigen Pferdeschutzorganisationen zugute. Als Sponsor unterstützt ANEES diese Initiative und setzt damit ein Zeichen für verantwortungsbewusstes Reisen und den respektvollen Umgang mit Pferden. Gleichzeitig unterstreicht unser Engagement die enge Verbindung zur Wanderreit-Community, für die unsere Dachzelte und Markisen unter realen Bedingungen entwickelt und getestet werden.

Häufige Fragen zum Wanderreiten

Was kostet ein geführter Wanderritt pro Tag?

Rechne mit 120 bis 250 Euro pro Person und Tag inklusive Leihpferd, Rittführung und Vollverpflegung. Übernachtest du mit einem ANEES-Dachzelt direkt am Trossfahrzeug, entfällt das Nachtquartier für den Menschen, während Markise und Dachzelt zugleich Platz in der Ladung sparen, weil etwa kein separater Pavillon für Schatten oder Regenschutz mitgeführt werden muss. Ein Urlaub mit gehobenen Unterkünften oder in den Alpen liegt darüber, einfache Sternritte im Norden darunter.

Kann ich mit dem eigenen Pferd auf einer Station übernachten?

Ja, die meisten DWA-Betriebe bieten Gastboxen oder Paddocks ab etwa 25 Euro pro Nacht. Wer mit eigenem Pferd anreist, sollte sich mit Impfnachweis und Equidenpass voranmelden. Viele Höfe sind an Wochenenden schnell ausgebucht.

Ab welchem Reiterlevel ist Wanderreiten möglich?

Deine reiterlichen Fähigkeiten sollten dich sicher in allen drei Grundgangarten im Gelände tragen, also Schritt, Trab, Galopp. Einsteiger, die sich nur auf dem Reitplatz sicher fühlen, buchen besser zuerst einen mehrtägigen Geländekurs, bevor der erste echte Wanderritt ansteht.

Quellen

  1. TVT Merkblatt Nr. 185 – Reitergewicht

  2. Qualifikationsweg – Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer e.V.

  3. Waldgesetz des Landes Brandenburg (LWaldG)

  4. § 28 StVO Tiere Straßenverkehrs-Ordnung

  5. Reiten im Wald - Wald-MV

 

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